«Freiwilligenarbeit ist eine Haltung»

Erich Küng will nicht nur profitieren, sondern der Gesellschaft auch etwas zurückgeben. Nach seiner Pensionierung im Januar meldete er sich deshalb bei Swiss Volunteers an. Am Firmenlauf B2Run im September in Zürich wies er den Läuferinnen und Läufern den Weg.

Foto: zvg

Erich Küng (65) aus Wohlen im Aargau beschloss nach seiner Pensionierung im Januar, einen Teil seiner neugewonnenen Freiheit der Allgemeinheit zu schenken – und meldete sich bei Swiss Volunteers an. Am B2Run im September in Zürich war er zum dritten Mal im Einsatz.
«Mein Posten befindet sich unter den zwei Autobahnbrücken, auf denen der Verkehr über Zürich-Oerlikon donnert. Es ist ganz schön laut und kühl hier unten, trotz Sonnenschein. Wie bereits beim B2Run in Zug im Mai bin ich auch heute als Streckenposten eingeteilt. Beim Posten 14 weise ich den Läuferinnen und Läufern mit erhobenem Arm den Weg, damit sie richtig abbiegen. Jetzt gilt es, zu warten, bis das Rennen um sieben Uhr losgeht. Als Streckenposten gehört warten auch zum Job als Volunteer, aber Warten kann ich gut – im Militär sass ich auch mitten in der Nacht alleine im Wald und wartete, bis es Morgen wird.»

«Ich habe mich gleich für zwei Schichten angemeldet – dann lohnt sich die Anreise. Ab zehn Uhr morgens war ich im Hallenstadion im Einsatz. Dort laufen die Athleten nach dem sechs Kilometer langen Rennen ein und werden dann verköstigt. Mit anderen Volunteers habe ich alles vorbereitet: Wir haben die Tribüne mit Markierband in Sektoren eingeteilt, die Bandenwerbung befestigt, einen Teil der Festwirtschaft sowie die Zelte für die Sponsoren aufgestellt und die Mini-Lounge eingerichtet. Insgesamt arbeiten 69 Volunteers mit, damit dieser Wettkampf stattfinden kann. Ich glaube, die Sportler wissen dies schon zu schätzen.»

«Da kommen die ersten der insgesamt über 2500 Athleten. Die Schnellsten sind in einem Riesentempo unterwegs. Später kommen dann jene, die schon etwas mehr Mühe haben. Und am Schluss kommt noch die ‹Kategorie Spaziergänger›. Aber der B2Run ist ja schliesslich ein Firmenlauf ­– da laufen die Trainierten mit wie auch all jene, die sonst keinen Sport machen. Einzelne Firmen sind mit hundert oder gar zweihundert Teilnehmenden am Start. Ohne Freiwilligenarbeit wäre ein solcher Anlass gar nicht möglich. Ich gehörte schon immer zu jenen, die der Gemeinschaft dienten. Das ist eine Haltung, die legt man nicht einfach ab. Man kann nicht immer nur profitieren. Ich war auch 24 Jahre lang in der Feuerwehr. Wenn jeder in irgend einer Form so etwas machen würde, wäre das Verständnis für viele Dinge in unserer Gesellschaft auch besser. Aber man kann natürlich niemanden zwingen.»

«Es macht mir Spass, hier am Posten zu stehen und die Läufer zu beobachten – da sehe ich jedenfalls, weshalb ich hier bin. Jetzt kommen die ersten, die leiden. Als mich vorhin zwei schwer atmende junge Frauen fragten, wie weit es noch sei, habe ich ein wenig geflunkert – ich konnte ihnen doch nicht sagen, dass sie noch nicht einmal in der Hälfte sind! Letzten Samstag half ich am Triathlon in Murten als Volunteer, dort sah ich viele Athleten, die sich mit letzter Kraft ins Ziel kämpften. Sie beeindruckten mich mehr als die Schnellsten.»

«Ich bin von Beruf Mechaniker. Ich habe immer gerne gearbeitet, doch meine Arbeit fehlt mir nicht. Im Gegenteil, ich geniesse meine neue Freiheit sehr: morgens länger zu schlafen und gemütlich zu frühstücken etwa. Einen Teil meiner Zeit möchte ich jedoch anderen schenken. Ich habe mir lange überlegt, wie ich mich engagieren könnte. Freiwillig ein Stück Wanderweg zu pflegen hätte mich auch gereizt. Doch da hätte ich mich zu stark verpflichtet. Bei Swiss Volunteers kann ich mich immer wieder neu entscheiden, ob und wann ich das nächste Mal mithelfen will. Im Juli und August beispielsweise will ich möglichst keine Termine. Da bin ich viel auf dem schönen Campingplatz in Unterägeri und betätige mich ein bis zweimal in der Woche als Hobby-Wanderführer. Ich will nicht zu jenen Rentnern gehören, die nie Zeit haben.»

«Mit dem letzten Läufer kommt das Besenvelo. Ich werde anschliessend die vielen leeren Pappbecher auf der Strecke einsammeln und mich auf den Weg zum Stadion machen. Vielleicht löse ich dort noch meinen Essensgutschein ein. Mal sehen, wo ich das nächste Mal für Swiss Volunteers im Einsatz sein werde. Beachvolleyball würde mich interessieren, oder Biathlon. Ich bin kein Fernsehsport -Fan , aber ich habe immer selber gerne etwas Sportliches gemacht. Auch heute gehe ich oft Wandern, oder ich mache bis zu 100 Kilometer lange Touren mit dem E-Bike. Wettkämpfe wären nichts für mich – ich will nicht Trainieren müssen. Ich will gar nichts mehr müssen.»

Mehr Informationen zum Schweizer Firmenlauf B2Run: www.b2run.ch


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