Voller Volunteer-Einsatz trotz Handicap

Donato Schneebeli ist gehörlos und leidenschaftlicher Volunteer. An den Regional Games der Special Olympics in Zürich war er im Mai für Swiss Volunteers als Trash Hero im Einsatz. Es gefällt ihm, helfen zu können – und in der Volunteers-Familie immer wieder nette Leute kennenzulernen.


Foto: Swiss Volunteers

Die Special-Olympics-Hymne erklingt im Letzigrundstadion. Athletinnen und Athleten, Trainerinnen, Betreuer, Organisatoren und Volunteers haben sich in den Zuschauerrängen versammelt, sie wiegen die Arme im Takt zur Musik. „Let me win“, ertönt es aus den Lautsprechern. Gleich geht es los. Gleich ertönt der Startpfiff zu diesen Regional Games der Special Olympics, den Sportwettkämpfen für Menschen mit geistigem Handicap. Heute stehen in Zürich Leichathletik, Tischtennis, Boccia und Petanque auf dem Programm. Donato Schneebeli hört weder die Melodie der Hymne noch den Startpfiff. Er ist gehörlos. Und er ist mit Arbeiten beschäftigt. Er räumt leere Getränkebecher von den Tischen, an denen die Athleten zuvor Pasta assen. Schneebeli ist Trash Hero und hilft bei den Medaillenzeremonien. Er ist einer von rund 160 Volunteers, die an diesem Tag im Einsatz sind. Nur dank ihnen ist dieser Anlass – wie die meisten anderen Sportanlässe in der Schweiz – möglich.

Auf der Rundbahn wärmen sich die ersten Athletinnen und Athleten auf – sie haben sich am Vormittag in den Ausscheidungen für den Hauptwettkampf qualifiziert. Sie sind sichtlich nervös. Hier will jeder sein Bestes geben. Und doch geht es an den Special Olympics nicht nur ums Gewinnen. Hier erhält auch eine Medaille, wer disqualifiziert wird. Hier freut sich auch, wer den vierten Platz erreicht.

Helfen tut gut
Schneebeli arbeitet lieber, als dass er sich auf die Zuschauertribüne setzt. Sein Wunsch sei zu helfen, sagt er. Der Basler ist kein Unbekannter in der Volunteers-Familie – seit 2013 ist der 46-Jährige bei Swiss Volunteers angemeldet und war bereits 63-mal im Einsatz. Als er sich für ein Gespräch doch kurz auf die Tribüne setzt, zählt er auf, wo er am liebsten im Einsatz ist: an den Ironmans in Rapperswil und Zürich, am UltraTrail in Grindelwald und am Beachvolley Gstaad. Heuer half er zusätzlich acht Wochen lang an der Ski-WM in St. Moritz in der Küche mit. Er habe an der WM Berhard Russi getroffen und ein Foto mit ihm gemacht, sagt er stolz.


Foto: Swiss Volunteers

„Auf die Plätze...“ Im Stadion wird es still. „Fertig...“ Der Startpfiff ertönt: 100 Meter Sprint. Drei Athleten geben Vollgas, der Gewinner macht im Ziel Freudensprünge. Donato Schneebeli konzentriert sich auf das Gespräch. Er ist seit Geburt gehörlos. Wenn er mit Hörenden spricht, welche die Gebärdensprache nicht beherrschen, beobachtet er mit seinen Augen Mund, Mimik und Gestik seiner Gesprächspartner. Er versteht sie problemlos. Und gibt dann langsam und etwas undeutlich Antwort. Wenn nötig, nimmt er Papier und Stift und schreibt seine Fragen und Antworten in sauberer Schrift auf. Es gefalle ihm sehr, als Freiwilliger im Einsatz zu sein, schreibt er: „Es macht mir Freude mitzuhelfen. Zuhause langweile ich mich, weil ich IV-Rentner bin.“ Leider könne er aufgrund seiner Gehörlosigkeit sowie Hüftproblemen keiner Arbeit nachgehen. Umso wichtiger seien für ihn die regelmässigen Einsätze als Volunteer. Meist arbeite er in der Verpflegung oder Eingangskontrolle.

Applaus nicht nur für die Gewinner
Er liebe den Sport, sagt Schneebeli. Am liebsten habe er Fussball. Selber mache er keinen Sport. Teamgeist komme jedoch auch unter den Volunteers auf: „Ich lerne immer wieder nette Leute kennen – und viele Helfer kennen mich sehr gut.“ Die Special Olympics gefielen ihm gut, sagt er – weil auch er ein Handicap habe. Behinderte Menschen sollten mehr Beachtung erhalten, findet er. Und nun drängt es ihn wieder an die Arbeit. Im Stadion finden die ersten Medaillenzeremonien statt. Die Freude ist riesig. Der Applaus – obwohl kaum Zuschauer ­im Stadion – auch. Hier klatschen die Athleten füreinander. Und nicht nur für die Gewinner.

Donato Schneebeli kann aufgrund seiner Gehörlosigkeit keiner Arbeit nachgehen. Umso wichtiger sind für ihn seine Einsätze für Swiss Volunteers.


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